Frankfurt, China II

Fondue nennt man in China huǒguō 锅, Hot Pot. Auf der Gasflamme in der Mitte des Tisches steht ein großer Topf, oftmals mit zwei Sektionen: In der einen brodelt eine rötliche, höllisch scharfe Brühe, in der anderen eine weißliche, mildere. Dazu gibt es hauchdünn geschnittenes Fleisch, Meeresfrüchte, Pilze, Gemüse und vieles mehr, sowie einige Saucen zum Dippen. Das Zubereiten und Vertilgen der Zutaten kann Stunden dauern, ist äußerst vergnüglich und (zumindest für die Langnase, aufgrund des permanenten Schärfegrades) schweißtreibend.

Jetzt gibt es in Frankfurt ein neues Chinalokal, wo man einen authentischen Hot Pot serviert bekommt, bis auf weiteres sogar zum Einführungspreis von 15 Euro p.P. die ganze Palette: Dofu, 3 Sorten Gemüse, Muscheln, Garnelen, Tintenfisch, 2 Sorten Rindfleisch, Kutteln, Champignons, Austernpilze, Wurst, Fischbällchen, Seegras, Chinakohl, Glasnudeln.

Noch ein Tipp: Colatrinkern sei empfohlen, gleich eine große Flasche zu bestellen. Man braucht sie, und noch akzeptieren die Wirte diese chinesische Gewohnheit, bei der man wesentlich günstiger wegkommt, als wenn man die gleiche Menge in kleinen Portionen bestellen muss.

Au Mandarin, Westendstraße 1 (Eingang Mainzer Landstraße), 60329 Frankfurt, Tel. 069 745051

Jokes in Tough Situations

Gerade wiedergefunden: die phantastischen Liner Notes zum Soundtrack eines wundervollen Films, aus der Feder des Regisseurs Walter Hill:

STREETS OF FIRE is, by design, comic book in orientation, mock-epic in structure, movie-heroic in acting style, operatic in visual style and cowboy-cliche in dialogue. In short: a rock’n’roll fable where the Leader of the Pack steals the Queen of the Hop and Soldier Boy comes home to do something about it.

Since I much prefer films that make people remember things they’ve forgotten to those that try to discover something new, in STREETS OF FIRE I tried to make what I would have thought was a perfect movie when I was in my teens — I put in all the things I thought were great then and which I still have great affection for, custom cars, kissing in the rain, neon, trains in the night, high-speed pursuit, rumbles, rock stars, motorcycles, jokes in tough situations, leather jackets and questions of honor.

Metamorphosen, Jagdszene

Sie tanzen den Geschlechterkampf, der Franzose Dimitri Jourde (Aktaion) und die Norwegerin Line Törmoen (Artemis). Er eher als Street Dance, als geschmeidige Martial Art. Sie wütender, rabiater, ihr Blick, wie ein Kritiker zu Recht sagt, ein eigener Part im Drama. Dazwischen ein bisschen angedeutete Pornographie, ein paar Scherze, um das Publikum kurz aus der Anspannung zu entlassen. Dann weiter im tödlich-ernsten Spektakel.

“It’s Only a Rehearsal” der Zero Visibility Corp in der Choreographie von Ina Christel Johannessen, weltweit erfolgreich erprobt und jetzt im Frankfurter Mousonturm gesehen. Unterlegt von den atemberaubenden Elektroklängen des Mexikaners Murcof. Gleich drei CDs bestellt.

Frankfurt, China

Gerade im Briefkasten gefunden: “[…] S21 Sauer eingelegte Gemüse und Schweinedünndarm; S22 Zungen von Enten zuber. in Blütenpfeffersalz; […] S48 Schweineblut im Topf; […] E7 Hühnerfüße ‘Weiße Wolken’ […]”.

(Fast) The Real Thing, kantonesisch, in Bahnhofsnähe: New China Town, Münchner Str 52. Und zum Einkaufen gibts in der unterirdischen Ladenpassage direkt vorm Hauptbahnhof den besten chinesischen Supermarkt der Stadt.

Lektüren zum Frühlingsbeginn

Sebastian Haffner: Geschichte eines Deutschen

Sebastian Haffners elegante Miniaturen über Nazi-Deutschland gehören zu den wenigen Büchern, deren Lektüre ich jedem verordnen würde, wenn ich es könnte. Seine Einsicht, dass es beim Nationalsozialismus nicht eigentlich um ein politisches Programm geht, sondern um einen Typus, einen Charakter, geht mir immer durch den Kopf, wenn mich auf der Autobahn wieder einmal eines dieser Autos mit dem Schlagring-Logo jagt.

Antal Szerb: Das Halsband der Königin

Weit besser als Szerbs viel gelobter Roman “Reise im Mondlicht”, ist dies zu Marie Antoinettes 250. Geburtstag im Jahr 2005 neu aufgelegte Buch, ein an Stefan Zweig geschultes Stück literarischer Geschichtsschreibung, wunderbar reich an lebendiger Gelehrsamkeit, realistischer Imagination und menschlicher Einsicht.

Peter Carey: Theft. A Love Story

Ein Künstlerroman…! Aber wild und nett, und eine alles in allem spannend und sauber erzählte kleine Story. Die zeigt, dass es nur wenige Dinge gibt, mit denen man bei einer richtigen Liebesgeschichte das Happy End vermasseln kann. Oder auch wieder nicht.